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Montag, 16. April 2018

Wolfgang Wolff - ein deutscher Künstler im ozeanischen Exil

Nur wenige Sammler ozeanischer Kunst werden Wolfgang Wolff kennen. Er ist keiner der Exilkünstler, die nach 1945 zurück nach Deutschland kamen und für ihren geistigen Widerstand gefeiert wurden. Wolff war politisch, aber kein politischer Künstler. Seine Bilder aus Tahiti zeigen vornehmlich das Milieu der indigenen Bevölkerung. Sie sind oft bunt, immer voller Leben und teilweise auch romantisierend. So archaisch wie zu Zeiten von Gauguin [der sicherlich ein Vorbild war] ging es in den Dreißiger- und Vierzigerjahren schließlich allenfalls in abgelegenen Teilen Tahitis zu. Immer mehr Touristen, hauptsächlich aus Frankreich oder den USA, strömten damals auf die Insel. Wolff machte daraus ein Geschäft, indem er im Hafen von Papeete handkolorierte Drucke als Souvenir anbot. Das hier verlinkte Album enthält neben Gemälden und Aquarellen auch solche Arbeiten.

Tahitian women with ukulele, 1935, watercolor on paper, 19 x 26 inches

Bis zu seiner Flucht verläuft die Lebensgeschichte von Wolff eher bürgerlich. Er wurde 1909 in St. Ludwig [Elsass-Lothringen] als Sohn eines Richters geboren, wuchs in Zierenberg bei Kassel auf und studierte Jura in Marburg und Frankfurt am Main. Vor dem Hintergrund der Machtübernahme entschloss er 1934, seine Heimat zu verlassen. Die ersten Jahre auf Tahiti waren zwar von harter Arbeit in fremder Umwelt geprägt – er lebte mit seiner deutschen Frau Hildegard in einer selbstgebauten Hütte – aber es war doch das, was man sich unter einer exotischen Idylle vorstellt. Das änderte sich mit Ausbruch des Krieges. Wolff wurde von den Franzosen aufgrund seiner deutschen Staatsangehörigkeit inhaftiert, zunächst in Fort Taravao [am Isthmus von Tahiti], später auf der kleinen Insel Motu Uta in der Bucht von Papeete. Insgesamt verbrachte er 14 Jahre auf Tahiti. 1948 durfte er gemeinsam mit seiner Familie nach San Francisco ausreisen. Als gebürtigen Deutschen ließ man ihn in den USA jedoch nicht in die Künstlerkreise ein.

Wolfgang Wolff, undatet

Fortan arbeitete er erfolgreich als Textildesigner. Die von ihm entworfenen Hawaii-Hemden gelten unter Sammlern bis heute als besonders kunstvolle Stücke. Wolfgang Wolff starb 1994 in Los Angeles. Sein auf Tahiti geborener Sohn, Goetz Wolff, ist Dozent für Stadtplanung an der University of California, L.A. Er hat für Frazer Fine Art eine ausführlichere Biographie geschrieben, die ich hier einbette sowie als Download zur Verfügung stelle.

Sonntag, 19. November 2017

Systematische Gedanken zu: Thomas Nagel - Geist und Kosmos

"Warum die materialistische neodarwinistische Konzeption der Natur so gut wie sicher falsch ist", so lautet der Untertitel von Nagels Werk. In diesem erfahren teleologische Konzepte eine Wiederbelebung – nicht restlos überzeugend, wie ich zeigen werde.

Nagels Begrifflichkeiten [so wie ich sie verstanden habe]

geschichtlich: kausal | intentional | teleologisch

Bei einer kausalen Geschichte der Entstehung von Leben, Bewusstsein, Kognition und Werten ist die Richtung vom Zufall bestimmt. Bei einem intentionalen Verlauf greift ein Schöpfer an verschiedenen Stellen immer wieder korrigierend oder lenkend ein. Bei einem teleologischen Geschehen sind die Ziele der kosmologischen Entwicklung bereits in die Anfangsbedingungen eingeschrieben.

konstitutiv: reduktiv | nicht-reduktiv

Jedes der drei geschichtlichen Prinzipien kann nach Nagel entweder reduktiv oder nicht-reduktiv gedacht werden. Der klassische naturalistische Reduktionismus wäre eine reduktive Variante des kausalen Prinzips. Auch der Panprotopsychismus wäre eine reduktive Variante des kausalen Prinzips.
Nicht-reduktiv bedeutet, dass das Ganze mehr als die Summe seiner Teile ist, fachsprachlich nennt man das Emergenz. Nagel ist von der Erklärungskraft des kausalen Prinzips, egal ob reduktiv oder emergent gedacht, nicht überzeugt. Das intentionale Prinzip spart er mehr oder weniger aus, da er als Atheist ontologisch sparsam vorgehen möchte. Er spricht sich letztendlich für eine emergente Version des teleologischen Prinzips aus, da nur dieses einer Erklärung der vier genannten Phänomene beikommen könne. Er stellt keine neue Theorie auf, sondern umschreibt nur die notwendigen Grundeigenschaften einer ebensolchen.

Fazit und Kritik

Nagel beschreibt die Verbindung von Geist und Hirnprozessen zu Recht als notwendig. Gleichzeitig zeigt er die Erklärungslücken auf, die selbst dann blieben, wenn wir alles über Gehirne und ihre Funktionsweisen wüssten. So weit, so gut.
Seine "Naturteleologie" erfordert ein indeterministisches Universum, das durch die in den Anfangsbedingungen angelegten Zwecke auf den 'richtigen' Weg gebracht wird. Das mag man annehmen oder nicht, es sollte aber geklärt sein, inwiefern sich ein freier Wille in einem solchen Universum entfalten kann. Nagel spricht sich für einen inkompatibilistischen freien Willen aus, geht der eigentlichen Frage aber leider nicht weiter nach. Punkt 2: Emergenz. Es ist zwar eine schöne Vorstellung, dass das Ganze mehr als die Summe seiner Teile sein könnte, aber indem man dies propagiert, schiebt man das Problem nur auf. Statt mit der Frage, wie Bewusstsein etc. entsteht, müsste man sich dann mit der Frage befassen, wie Emergenz entsteht. Auch hier bleibt Nagel eine Antwort schuldig. Problem 3: Werterealismus. Damit lehnt er sich weit aus dem Fenster. Existieren Werte wie Gut und Böse tatsächlich in demselben Sinne wie Bewusstsein und Kognition existieren? Es gibt viele empirische Beispiele, die zeigen, dass moralische Vorstellungen stark kultur- und umweltgebunden sind. Am Schluss spürt man tatsächlich, dass er zwischen den Zeilen eine Art Theologie ex negativo betreibt. Dies kulminiert dann auch in seinem Schlusssatz: "Des Menschen Wille, zu glauben, ist unerschöpflich."
 
Mich konnte Nagel nicht restlos überzeugen, aber es war ein interessantes Leseerlebnis.

Some thoughts on "The American Side" [2016]

[spoiler alert]

Some reviewers complain that it's hard to follow the plot – but isn't this typical for film noir?
Besides, if you watch the movie again [or only the scenes that made no sense to you], you will notice that there is no puzzle. The whole thing about barrel-crossing the Niagara over the American side is just a subplot that is not important for the main plot. The main plot goes like that: we have several parties that want to obtain both parts of Tesla's note. Some might want to destroy them, some are seeking for the knowledge of how they fit together and what they mean. In the end we see that Charlie has both parts in his lighter: one on the front, the other on the back. Of course Nikki Meeker has put it in there. Remember? She "stole" the lighter from him before. Now the light of the pinball machine and ta-da: Tesla's potentially "world-changing" note in it's entirety. Then the phone call for Charlie. But that's part of The American Side II ... which, of course, will never be realised.

Freitag, 26. Mai 2017

Some thoughts on "Last Days in the Desert" [2015]

[spoiler alert]

I liked this movie. I liked the atmosphere, the soundtrack, the calm voice of Ewan. I also liked the idea of depicting the devil as double of Yeshua. I think the conversation that implies that God likes new outcomes that derive from little changes is essential. The "entanglement" of the three family members illustrates this. Yeshua tries to solve the 'social riddle' with words and compassion, not with godlike powers. But the outcome is unforeseeable, even for him. The movie should have ended after the scenario in the desert. I really wondered why Rodrigo García added the crucifixion scene with the hummingbird. Didn't he know that hummingbirds live only in America? A dragonfly would have had the same effect. But OK, it's the devil, he can do that [winking smiley].

Gedanken zu Manchester

Jedes Mal die gleichen Zitate.

"Wir lassen uns nicht einschüchtern." / "Wir lassen uns nicht spalten." / "Der Terror hat nichts mit dem Islam zu tun."

Also ob der Terror nicht schon längst sein Gift in unser Bewusstsein gepflanzt hätte. Natürlich lassen wir uns spalten. Wenn es so weitergeht, ist es nur eine Frage der Zeit. Auch der Aufwand, der für Sicherheit betrieben wird, insbesondere bei Großveranstaltungen, ist ungleich höher als noch vor ein paar Jahren. Man hat durchaus ein Gefühl des Unbehagens, wenn Polizisten mit Maschinenpistolen den Weihnachtsmarkt sichern. Die potentielle Gefahr wird ja so erst sichtbar. Auch würde ich hier liebend gern mal eine Mohamed-Karikatur posten oder Witze über Pierre Vogel machen. Aber schon während ich das schreibe, merke ich, dass ich mich nicht zu weit aus dem Fenster lehnen sollte. Denn eines ist klar: Richtige Islamisten verstehen keinen Spaß. Und natürlich hat der islamistische Terror was mit dem Islam zu tun. Die Frage ist halt, was genau. In dem Zusammenhang empfehle ich das Buch "Mohamed" von Hamed Abdel-Samad. Eines ist jedenfalls sicher: Durch bloße Waffengewalt werden wir den Terror nicht los. Im Gegenteil. Wenn man zurückblickt, so hat sich doch gezeigt, dass man eine Hydra bekämpft, der drei Köpfe nachwachsen, wenn man einen abschlägt. Was können wir also tun? Ziemlich wenig. Denn die Quellen, die die Ideen in die Welt bringen, lassen sich nicht einfach trocken legen. Hassprediger kennen ihren Koran. Doch wie bringt man jemanden dazu, ein Buch so auszulegen, wie es die Mehrheit tut, nämlich friedlich? Der Indoktrinierte glaubt ja, die Worte kämen von Gott höchstselbst. Wieso sollte er also auf menschliche Intervention reagieren, wenn dort glasklar steht, man solle die Ungläubigen bekämpfen, wenn sie den Islam nicht annehmen?

Dienstag, 21. März 2017

Mining of Cryptocurrencies - Development and Status Quo

Mining is the complex computing process that creates cryptocoins like Bitcoin. [Bitcoin is the first and most important cryptocurrency, but there are many alternative currencies like Ether, Dash or Litecoin.] Mining enables the integrity of the so-called blockchain by cryptologically verifying each transaction and establishing a public transaction directory.
At the beginning of the Bitcoin era it was profitable to mine bitcoins with a PC. Since the energy required to produce a single coin is increasing steadily [see difficulty] it is no longer reasonable to use a PC and / or graphics cards cause the electricity costs are much higher. Even if you team up with other miners and form a so-called mining pool, it is difficult to be profitable. This only works if you have the latest devices designed specifically for mining [so-called ASICs] and if the costs for electricity and cooling are also low. In addition, the mining distributions are halved within foreseeable cycles [see halving] since there can only be a finite number of coins. [In case of Bitcoin 21 million units].
For these reasons the so-called cloud mining has developed over the past two years. In order to be able to make profits companies were founded that moved the mining to places where the electricity fees are low and the conditions for cooling are ideal [e.g. Iceland]. There were then ASIC mining devices installed, on a large scale of course, so that one can speak of a mining farm.
Cloud mining is being financed by the customers who "rent" computing power [hashpower]. This enables more flexibility for investors since no complete device has to be purchased. Even small amounts of hashpower can be purchased. This also makes diversification pretty easy cause parallel mining of different cryptocurrencies is possible.
The leading suppliers use the latest technologies and they can also buy the required devices cheaper. It makes a difference whether one buys thousand ASIC devices or just one. Therefore cloud mining revenues are usually higher than those from home mining attempts. They could be still higher, but a part of the money is retained by the provider of course. However, given a positive market development it is a win-win situation. In addition, as a cloud miner you do not have to worry about electricity, maintenance or hardware updates. This is all done by the provider.

Btw: If a mining provider holds more than 50% of the total hash power of a given currency, the situation could become risky. Then a manipulation of the blockchain would no longer be impossible. This scenario is actually an important topic for the developers.

Two more sentences on Ethereum: The Ethereum platform is, in a sense, the first "world computer". Realized as a decentralized network, the platform can be used by everyone to run applications without the possibility of downtime, censorship or fraud.
Ether, the systemic currency of Ethereum, is next to Bitcoin the fastest growing cryptocurrency. Ethereum is still at the beginning. How important the platform will become is not foreseeable yet. Optimists already speak of Web 3.0.
So if you are willing to make an interesting investment, then you should speculate in Ether. The chances of investing in a lucrative future project are not bad. However, total loss can not be ruled out. This applies for known reasons [hackers, potential security gaps, regulation or prohibition by authorities, internet failure] to all cryptocurrencies.

For all of those who would like to invest in cloud mining, I recommend Genesis Mining. I have made good experiences with this provider. Here is a promo code with which you save 3% on every purchase: Y9FsAk
Happy Mining! bbc