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Dienstag, 15. März 2016

wie man sich keine Facebook-Freunde macht

Unlängst habe ich auf Facebook folgendes gepostet:

Das sind keine Menschen, die so was tun. Das sind Verbrecher.
[Stanislaw ‪‎Tillich‬, sächsischer Ministerpräsident, im Zusammenhang mit den Vorfällen von ‪‎Clausnitz‬] – Klar, diese sind moralisch zu verurteilen. Aber zu sagen, die beteiligten Bürger von Clausnitz seien keine Menschen, ist mindestens genauso verwerflich. Seit wann sind Verbrecher keine Menschen? Außerdem ist man in diesem Land erst dann ein Verbrecher, wenn einem eine Straftat nachgewiesen wurde. So primitiv die Clausnitzer Wir-sind-das-Volk-Rufe sein mögen, strafbar ist das meines Wissens nicht.

Die Kommentare vielen negativ bis beleidigend aus.

"Bitte denk' nach, bevor du Sachen teilst. Das ist einfach nur scheiße, was du da von dir gibst."

"Das bringt mich zum Kotzen!"

Und etwas sachlicher: "Habe mich ehrlich gesagt auch über deinen Post gewundert ... Klar sind das Menschen, aber es geht doch um die Vorfälle in Clausnitz. Und das, was da passiert ist, macht mich ziemlich fassungslos."

Sollte ich mich verteidigen? Hatte ich tatsächlich eine Grenze überschritten? Ich überlegte lange und schrieb dann dies:

"Mir gefällt nicht, dass sich ein Ministerpräsident auf das gleiche Niveau herablassen kann und dafür auch noch Beifall bekommt. Ich finde auch beschämend, was da vorgefallen ist. Scheinbar ist hier der Eindruck entstanden, dass ich das Verhalten der beteiligten Clausnitzer akzeptabel finde. Das tue ich nicht. Moralisch ist das zu verurteilen. Justitiabel ist es meines Wissens nicht. Wir-sind-das-Volk-Rufe sind in dem Kontext primitiv und unsittlich, der Tatbestand der Volksverhetzung wird damit aber noch nicht erfüllt. Das Grundgesetz deckt zwar vieles ab, aber ein universelles Gesetz für Anstand und Nächstenliebe kann es in einem säkularen Staat nicht geben. Erzwungene Nächstenliebe wäre auch eine contradictio in adjecto. Wie auch immer: Um die Gräben in diesem Land zu schließen, muss verbal abgerüstet werden. Von allen Seiten. Politiker, die einer Diskussion [z.B. mit der AfD] aus dem Weg gehen [nach dem Motto: mit solchen Menschen rede ich nicht] sind nicht nur feige, sondern richten Schaden an. Es gibt kaum etwas, was einen Menschen stärker beleidigen kann, als das Gefühl, als minderwertig oder dumm angesehen zu werden. Trotzdem thronen wir auf unserem moralischen Ross und blicken auf die jeweils als Gegner ausgemachte Gruppe herab: Grüne lassen sich über AfDler aus und umgekehrt, Pegida-Leute blicken auf Flüchtlinge herab, muslimische Flüchtlinge auf christliche und umgekehrt [alles grob verallgemeinert]. Jeder scheint die Wahrheit gepachtet zu haben. Nur so kommen wir kein Mü weiter. Wenn es legitim ist, eine Partei links der SPD zu wählen, ist es genauso legitim, eine Partei rechts der CDU zu wählen. Wenn Bürger mit der Flüchtlingspolitik nicht einverstanden sind, ist es deren gutes Recht, diese Meinung zu äußern, ohne gleichzeitig sozial geächtet zu werden. Und natürlich gilt, dass jede Form des Protests, die in Gewalt mündet, mit aller Härte verfolgt wird."

Dafür gab es ein Like und leider keinen weiteren Kommentar. Aber vielleicht gibt es hier ja Leser, die mir ihre Meinung sagen möchten? Ich freue mich über sachliche Kommentare.